Das Geheimnis innerer Stärke

Je weniger Sicherheit wir im Außen finden, desto wichtiger ist es, dass wir Sicherheit im Innen aufbauen. Dazu brauchen wir Zugang zu dem inneren Ort, von dem aus wir handeln, um eine innere Stärke zu entwickeln, die unabhängig von äußeren Umständen ist. Denn von einem inneren Ort der Sicherheit bleiben wir proaktiv und können die Zukunft aktiv gestalten.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich in den Neurowissenschaften und in der Psychologie auf die Suche gemacht, um dem Geheimnis innerer Stärke auf die Spur zu kommen und bin auf faszinierende Erkenntnisse gestoßen.

 

Der CEO unseres Seins

Wenn wir uns mit der Frage beschäftigen, wie wir innere Stärke bekommen und unsere Leistung steigern können, dann beschäftigen wir uns in der Regel sehr stark mit dem Thema Gehirn. Wir alle wissen, dass wir nur einen Bruchteil unseres Gehirnpotenzials ausnutzen und üben uns darin, unsere mentale Performance immer besser auszubauen. Dabei haben wir unser Gehirn gewissenmaßen als CEO unseres Seins betrachtet. Doch ist unser Gehirn tatsächlich der Teil von uns, der uns in erster Linie steuert? Oder ist das Gehirn nicht vielleicht eingebettet in ein noch viel komplexeres System, das in der Gesamtheit unsere Identität ausmacht?

Neuste Erkenntnisse der Forschung haben die Bedeutung des Gehirns zwar bestätigt, doch kamen sie zu dem Schluss, dass das Gehirn nicht alleine unser Erleben steuert. Denn immer mehr wird klar, dass das Herz hierbei eine wichtige Rolle spielt. Früher eher als „Pumpe“ registriert, wird das Herz heute von Wissenschaftlern als ein hoch komplexes System anerkannt, das sogar ein eigenes „Gehirn“ besitzt. In der neuen Disziplin der Neurokardiologie machen aktuelle Erkenntnisse sehr deutlich, dass das Herz ein sensorisches Organ mit einem anspruchsvollen Zentrum ist, um Informationen zu empfangen und zu prozessieren. So entdeckten Forscher im Nervensystem des Herzens mehr als 50.000 Neuronen und Interneuronen mit so komplexen neurologischen Kreisläufen, wie sie nur in einem Gehirn möglich sind. Diese Kreisläufe ermöglichen diesem Gehirn zu lernen, zu erinnern und unabhängig vom Kopfhirn funktionelle Entscheidungen zu treffen. Das Herz produziert darüber hinaus Hormone und Neurotransmitter und gibt mehr Informationen an das Gehirn als das Gehirn an das Herz gibt. Das Verhältnis liegt ungefähr bei 80: 20.

Der Informationsaustausch erfolgt größtenteils über Nervenfasern, die sich durch das Rückenmark ziehen, auch Herz-Hirn-Achse genannt. Das Herz beeinflusst das Gehirn vor allem in Bezug auf Erinnerungen, emotionale Zustände, kognitive Funktionen und das Funktionieren des Bewusstseins und Unterbewusstseins.

Ein Beweis dafür, dass das Herz mit seinem eigenen neuronalen System sozusagen ein eigenes Gehirn besitzt, zeigen Beschreibungen von Patienten nach Herztransplantationen. Diese Menschen berichten von veränderten Einstellungen, Gewohnheiten und Vorlieben. So gibt es viele Fälle, in denen der Organempfänger die Erinnerungen, Verhaltensweisen, Vorlieben und Gewohnheiten des Spenders übernommen hat. So haben Menschen, die eine bestimmte Speise nie mochten, diese plötzlich gern gegessen, andere wurden plötzlich aggressiv und impulsiv. Es waren nachweislich die Verhaltensweisen des Organspenders.

 

Innere Stärke durch Herz-Gehirn-Kohärenz

Wenn das Herz nun so eine wichtige Rolle in unserem gesamten Organismus spielt, dann stellt sich doch die Frage: Was beeinflusst das Herz? Emotionen haben einen signifikanten Einfluss auf die Muster des Herzschlags. Negative Emotionen, so wie Ärger oder Frust sind verbunden mit unberechenbaren, ungeordneten und inkohärenten Mustern des Herzrhythmus. Im Gegensatz dazu sind positive Emotionen, so wie Liebe oder Wertschätzung verbunden mit glatten, geordneten, kohärenten Mustern in der Aktivität des Herzrhythmus. Dann ist das elektromagnetische Feld um das Herz entsprechend besser organisiert. Forscher haben festgestellt, dass bei aufrechterhaltenen positiven Emotionen ein Modus entsteht, den sie Herzkohärenz nennen, und wenn von Herzkohärenz die Rede ist, dann ist immer zugleich auch eine Gehirnkohärenz gegeben, da sich der Gehirnrhythmus ganz natürlich mit dem Herzrhytmus synchronisiert. Mediziner bezeichnen diesen Zustand also als Herz-Gehirn-Kohärenz.

Das Herz spielt eine einzigartige, synchronisierende Rolle im Körper. Es ist unter anderem über Verbindungen wie das Nervensystem, über Hormone und Neurotransmitter, über Druck und Schallwellen und über elektromagnetische Interaktionen mit dem Gehirn und dem Körper in ständiger Kommunikation. Das alles macht das Herz zum körperüberspannenden Koordinator. Durch die elektrische Ladung des Reizleitungssystem des Herzens schafft sich das Herz das stärkste, elektromagnetische Feld des Körpers, das 50-mal stärker ist als das des Gehirns. Dieses elektromagnetische Feld kann noch zwei bis drei Meter vom Körper entfernt mit speziellen Geräten gemessen werden. Somit ist das Herz das oberste Energiezentrum des Körpers. Es erschafft ein magnetisches Feld und starke elektrische Ströme und lädt, stimuliert, aktiviert und transformiert die Energien des Körpers. Dieses Feld kontrolliert alle Körperfunktionen, sagt jeder einzelnen Zelle, was sie zu tun hat und koordiniert alle Aktivitäten und Funktionen.

 

Auswirkungen eines kohärenten Zustands

Besteht eine Herz-Gehirn-Kohärenz ist sie gekennzeichnet durch gesteigerte Effizienz und Harmonie in den Aktivitäten und in den Interaktionen des Körpersystems. Das autonome Nervensystem ist geordnet, der Körper heilt und regeneriert sich. Wir erleben Gefühle wie Freude, Dankbarkeit und Liebe. Wir fühlen uns verbunden mit uns selbst, mit anderen und mit unserer Umwelt. Psychologisch ist dieser Modus verbunden mit weniger inneren Dialogen und Konflikten, einer reduzierten Wahrnehmungen von Stress, einer erhöhten emotionalen Balance und einer verbesserten mentalen Klarheit, Kreativität, intuitiver Unterscheidungsfähigkeit und kognitiver Performance. Herz-Gehirn-Kohärenz erhöht das Bewusstsein und die Sensibilität gegenüber anderen Menschen um uns herum. Der Modus der Herz-Gehirn-Kohärenz sorgt außerdem dafür, dass der Körper verstärkt Wohlfühlhormone produziert, wie beispielsweise Dopamin, Serotonin, Oxytocin und DHEA. Das erklärt, weshalb wir die Wirkung schnell auch auf der emotionalen Ebene wahrnehmen. Im kohärenten Zustand ist man durch das Gleichgewicht im autonomen Nervensystem in einer Balance zwischen Anspannung und Entspannung, in dem der Energieverbrauch sehr gering ist und man entweder genüsslich in den Schlaf sinken kann und trotzdem innerhalb von Sekundenbruchteilen hellwach zu mentalen und körperlichen Höchstleistungen fähig ist. Diese Fähigkeit können wir oft bei Tieren beobachten wie z.B. bei einer Katze, die tiefenentspannt in der Sonne liegt und wenn sie eine Maus entdeckt, blitzschnell agiert.

 

Auswirkungen eines inkohärenten Zustands

Im inkohärenten Zustand reduziert sich die Leistung des Großhirns immens. Denkkapazität und Konzentrationsvermögen sowie Entscheidungsfähigkeit nehmen deutlich ab. Die Erklärung dafür findet man in der Stressforschung. Das Reduzieren der Großhirnleistung unter Stress ist ein archaisches Muster. Fachleute bezeichnen diesen Zustand als sogenannte kortikale Hemmung. Diese bezieht sich auf die Großhirnrinde, insbesondere auf den präfrontalen Kortex, der hauptverantwortlich für positives und intuitives Denken sowie Lösungsorientierung und Kreativität zuständig ist. Wenn nun dieser Bereich gehemmt ist, kann er seine Arbeit nur noch eingeschränkt vollbringen. Die Folge ist, dass wir nur noch zu alten, archaischen Reaktionsweisen fähig sind, nämlich Angriff, Flucht oder Starre. Logisches und rationales Denken findet dann nur eingeschränkt oder im ungünstigsten Fall gar nicht mehr statt. Dieser Stresszustand ist für unser gesamtes System ungesund. Fünf Minuten negativer Stress reichen aus, damit das Immunsystem seine Abwehrkräfte für sechs Stunden herabsetzt.

Im inkohärenten Zustand werden also Stresshormone ausgeschüttet und unser Herz schlägt schnell und inkohärent. Unser Atem beschleunigt sich und die Muskeln spannen sich an. Das führt oft zu Verspannungen. Auch Zittern, Fußwippen und Zähneknirschen hängt damit zusammen. Die Verdauung und die Sexualfunktionen gehen zurück, um Energie zu sparen. Insgesamt ist dieser Zustand damit zu vergleichen, als würden wir beim Autofahren gleichzeitig auf dem Gas und auf der Bremse stehen. Das Herz schickt sehr inkonsistente Nachrichten an das Gehirn und wir hören auf zu kreieren, zu vertrauen und uns selbst zu glauben. Im inkohärenten Zustand gibt es keine Zeit, etwas dazuzulernen, wir fühlen uns getrennt von unserer Umwelt und anderen Menschen. Wir haben nur wenige Optionen: Wir konkurrieren mit anderen, wir kämpfen oder wir manipulieren. Wir versuchen, die eigenen Gefühle und Körpersignale mit Verstand, Disziplin und Selbstkontrolle in den Griff zu kriegen. Der Fokus ist dabei ständig auf uns selbst. Wir bereiten uns immer auf den schlimmsten Fall vor. Das führt dazu, dass unsere Gedanken immer in der Zukunft sind, und damit sind auch unsere Wünsche und Hoffnungen in der Zukunft, sie fühlen sich weit weg an. Damit haben wir uns gewissermaßen vom Leben im Hier und Jetzt separiert.

In diesem Modus handeln wir im Prinzip dauernd gegen unseren innersten Kern, gegen unser persönliches Gefühl für uns selbst. Wir haben keine Zeit, in Beziehung zu uns selbst zu leben. Wir orientieren uns dann an Normen und Werte von außen, an dem, was „man“ eben so tut, was dem Trend der Zeit entspricht, anstatt das zu leben, was in uns verankert ist. 70% der Menschen leben in diesem Zustand.

Die positiven Auswirkungen einer Herz-Gehirn-Kohärenz auf den gesamten Organismus sind demnach immens. Als Coach habe ich den Anspruch, spannende wissenschaftliche Erkenntnisse so praktisch herunterzubrechen, dass sie echte Veränderung im alltäglichen Leben bewirken. Deswegen habe ich das Thema “das Geheimnis innerer Stärke” im 1. Modul des Online – Kurses leaders revived so aufbereitet, dass innere Stärke mit Hilfe interaktiver Tools und bewährter Coaching–Methoden so (weiter-)entwickelt werden kann, dass ein echter Transfer auf das eigene Leben möglich wird.

 

 

Literatur:

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Ich finde das eine sehr spannende Einsicht- auch der Darm hat ja ein komplexes eigenes “Gehirn”

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